Gebhard Krewitt Fotos von St. Pauli

Gebhard Krewitt

FC St. Pauli, das Freudenhaus der Bundesliga

… war der Titelaufdruck auf dem Stern #44/1988 zu meiner Reportage über den FC St. Pauli. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga hatten 1988 die „Goldenen Jahre“ des Kiez-Clubs begonnen. Und damit wäre diese Geschichte bald auserzählt, wenn sich nicht am FC St. Pauli geradezu prototypisch ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel darstellen ließe.
Jahrzehnt: 1980-1989
In den 1980er Jahren löste sich der Fußball in der Bundesrepublik zunehmend aus seiner traditionellen Verankerung in der Arbeiterkultur und wurde zu einem klassenübergreifenden Unterhaltungs- und Medienereignis. Besonders deutlich zeigte sich dieser Wandel am FC St. Pauli. Rund um das Millerntor-Stadion entstand ein neues Milieu, das politische Subkultur, alternative Lebensformen und Fußballkultur verband. Torwart Volker Ippig, der zeitweise in den besetzten Häusern der Hafenstraße lebte, verkörperte diese Verbindung von sportlicher Leidenschaft und gesellschaftlichem Engagement. St. Pauli wurde so zum Symbol eines neuen, politisierten Fußballverständnisses, das sich gegen die reine Kommerzialisierung richtete und zugleich Teil der Popkultur wurde – sichtbar in Musik, Mode und Medien, die die rebellische Haltung des Vereins aufgriffen. Der Wandel dieser Jahre lässt sich als Entproletarisierung und kulturelle Entgrenzung des Fußballs beschreiben, die sich in St. Pauli exemplarisch verdichtete. Der Club gewann eine neue, gesellschaftlich-symbolische Bedeutung: als Treffpunkt alternativer Milieus, als Ort sozialer Vergemeinschaftung und als Projektionsfläche für politische und kulturelle Identitäten. Diese in den 1980er Jahren entstandene Verbindung von Sport, Subkultur und Engagement prägt den FC St. Pauli bis heute. Was mit dem Aufstieg des FC St. Pauli in die Bundesliga begann, wurde für mich mehr als ein journalistisches Thema. Es wurde eine langjährige Beziehung – eine Geschichte.
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Gebhard Krewitt
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