
Gebhard Krewitt
FC St. Pauli, das Freudenhaus der Bundesliga
… war der Titelaufdruck auf dem Stern #44/1988 zu meiner Reportage über den FC St. Pauli. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga hatten 1988 die „Goldenen Jahre“ des Kiez-Clubs begonnen. Und damit wäre diese Geschichte bald auserzählt, wenn sich nicht am FC St. Pauli geradezu prototypisch ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel darstellen ließe.
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; Neuer Pferdemarkt, ST. Pauli Fans auf dem Weg zum Millerntor-Stadion
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; Unterhaltung der Zuschauer vor Spielbeginn im Millerntor-Stadion,
im Hintergrund der Hochbunker an der Feldstraße
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Fans in der Tribüne Gegengerade
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; Millerntor-Stadion während eines Bundesliagaspiels, Gegengerade
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Fans in der Tribüne Gegengerade
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; Halbzeitpause, FC St. Pauli Spieler in der Kabine, Spieler Jürgen Gronau wird vom Co-Trainer am Fuß behandelt
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1999; FC St. Pauli Fans in der Tribüne Gegengerade
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; Spielende im Millerntor-Stadion, FC St. Pauli Spieler Andre Trulsen und Jens Duve bedanken sich für die Unterstützung der Fans
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Torwart Volker Ippig signiert nach Spielende Fußbälle für Fans auf dem Spielfeld
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Trainer Helmut Schulte wird nach einem Sieg von dem Fans in der Kneipe im Millerntor-Stadion gefeiert
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Spieler Jens Duve und Andre Golke spielen auf der Fahrt zum Auswärtsspiel in Bremen im Bus mit Dirk Zander und Andre Trulsen Karten
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Fans im Bus auf dem Weg zum Auswärtsspiel
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; vor dem Spiel, Kartenverkauf im Kassenhäuschen Millerntor-Stadion
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; Platzwart Tattoo-Theo beim Reinigen der Gegengerade im Millerntor-Stadion
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1999; im Millerntor-Stadion, Frau beim Reinigen der Spielertrikots
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Mitgliederversammlung, Abstimmung, Vizepräsident Hans Apel
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; FC St. Pauli Fan Informatikstudent an Universität Hamburg Ulrich Krewitt
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; anonymer FC St. Pauli Fan, Bewohner der besetzten Häuser in der Hafenstraße
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; nach einem gewonnenen Spiel in der Küche der Kneipe im Millerntor-Stadion, Spieler Dirk Zander und Andre Golke mit Co-Trainer und Zeugwart und weiblichen Fans, auf dem Tisch Bier und Zigaretten
FC St. Pauli von 1910, Bundesliga Saison 1988/1989; nach einem gewonnenen Spiel in der Kneipe im Millerntor-Stadion, feiernde FC St. Pauli Fans
In den 1980er Jahren löste sich der Fußball in der Bundesrepublik zunehmend aus seiner traditionellen Verankerung in der Arbeiterkultur und wurde zu einem klassenübergreifenden Unterhaltungs- und Medienereignis. Besonders deutlich zeigte sich dieser Wandel am FC St. Pauli. Rund um das Millerntor-Stadion entstand ein neues Milieu, das politische Subkultur, alternative Lebensformen und Fußballkultur verband. Torwart Volker Ippig, der zeitweise in den besetzten Häusern der Hafenstraße lebte, verkörperte diese Verbindung von sportlicher Leidenschaft und gesellschaftlichem Engagement. St. Pauli wurde so zum Symbol eines neuen, politisierten Fußballverständnisses, das sich gegen die reine Kommerzialisierung richtete und zugleich Teil der Popkultur wurde – sichtbar in Musik, Mode und Medien, die die rebellische Haltung des Vereins aufgriffen.
Der Wandel dieser Jahre lässt sich als Entproletarisierung und kulturelle Entgrenzung des Fußballs beschreiben, die sich in St. Pauli exemplarisch verdichtete. Der Club gewann eine neue, gesellschaftlich-symbolische Bedeutung: als Treffpunkt alternativer Milieus, als Ort sozialer Vergemeinschaftung und als Projektionsfläche für politische und kulturelle Identitäten. Diese in den 1980er Jahren entstandene Verbindung von Sport, Subkultur und Engagement prägt den FC St. Pauli bis heute.
Was mit dem Aufstieg des FC St. Pauli in die Bundesliga begann, wurde für mich mehr als ein journalistisches Thema. Es wurde eine langjährige Beziehung – eine Geschichte.






