
Kate Kuklinski
Zwischen Elben
53° 29‘ 42“ N, 10° 0‘ 40“ O. Zwischen Elben untersucht die Transformation Wilhelmsburgs, eines Stadtteils, der seit Jahrzehnten von industrieller Nutzung, Migration, sozialer Segregation und städtebaulicher Aufwertung geprägt ist. Nur wenige Stadtteile haben sich so stark gewandelt wie die Insel zwischen Norder- und Süderelbe.
Spätnachmittagslicht auf den technischen Aufbauten des Luna Centers in Hamburg-Wilhelmsburg. Lüftungsanlagen, Fassadenelemente und Sicherheitsstrukturen betonen die Zwischenräume und industriellen Randzonen des Stadtteils. Aufnahme aus der Serie „Zwischen Elben“.
Farbig gerahmte Holzkonstruktion des Kunstwerks „Abweg“ von Darko Caramello Nikolic auf dem Dockville / Artville-Gelände im MS Uferpark in Hamburg-Wilhelmsburg. Der Blick durch den langen Farbtunnel öffnet sich am Ende auf den Hafen. Das Kunstwerk ist inzwischen nicht mehr vor Ort. Aufnahme von 2022, Teil der fortlaufenden Serie „Zwischen Elben“.
Schotterhügel einer Baustelle im zukünftigen Elbinselquartier in Hamburg-Wilhelmsburg, im warmen Licht der untergehenden Sonne. Teil der fotografischen Langzeitserie „Zwischen Elben“, die urbane Übergangsräume und Wandelprozesse auf der Elbinsel dokumentiert.
Durch eine Autoscheibe fotografierte Blumen im Innenraum eines parkenden Fahrzeugs am Vogelhüttendeich in Hamburg-Wilhelmsburg. Eine fast poetische Szene im alltäglichen Straßenraum. Aufnahme von 2022, Teil der Serie „Zwischen Elben“.
Eine radfahrende Person durchquert einen überbauten Durchgang in der Hochhaussiedlung in Kirchdorf (Süd), Hamburg-Wilhelmsburg. Momentaufnahme aus dem Alltag des Stadtteils. Aufnahme von 2022, Teil der fotografischen Serie „Zwischen Elben“.
Schneebedeckte Aufschüttung auf dem brachliegenden Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Hamburg-Wilhelmsburg. Das tiefe Winterlicht zeichnet die Struktur der Halde und betont die Leere des ungenutzten Areals. Aufnahme von 2021, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die Übergangsräume und Transformationsprozesse auf der Elbinsel dokumentiert.
Innenansicht eines offenen Transporters am Vogelhüttendeich in Hamburg-Wilhelmsburg. Zwischen gelagerten Bauelementen fällt der Blick auf die rote Rückwand eines benachbarten Containers, deren Reflexion und Farbe den Innenraum grafisch auflädt. Aufnahme von 2021, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die urbane Randzonen und informelle Nutzungen der Elbinsel dokumentiert.
Geflecht aus vertrockneten Rankpflanzen auf einer Betonwand im Bereich des Spreehafens in Hamburg-Wilhelmsburg. Die tiefblaue Abendstimmung betont die grafischen Strukturen der Triebe und verleiht der Szene eine fast zeichnerische Wirkung. Aufnahme von 2022, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die Übergangsräume, Hafenäste und Zwischenflächen entlang der Elbinsel dokumentiert.
Zwei pinke Schutzanzüge, vermutlich ausrangierte Chemikalienschutzanzüge, liegen im Schnee im Industriegebiet am Neuhöfer Damm in Hamburg-Wilhelmsburg. Eingesunken in die Vegetation, wirken sie wie surreale Figuren im Kontrast zwischen Industrie, Hafeninfrastruktur und winterlicher Ruhe. Aufnahme von 2021, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die urbane Randzonen, Abstellflächen und Übergangsräume der Elbinsel sichtbar macht.
Eine schwimmende Sperre liegt auf der zugefrorenen Wasserfläche im Bereich Hövelwettern in Hamburg-Wilhelmsburg. Umgeben von winterlich kahlen Bäumen wirkt die technische Vorrichtung wie ein fremder Körper in der ansonsten stillen Landschaft. Aufnahme von 2021, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die natürliche und künstliche Formen in den Randzonen der Elbinsel sichtbar macht.
Eine Schafherde weidet am Reiherstieg-Hauptdeich. Die Tiere grasen im hohen Sommergras. Solche Herden prägten über Jahrzehnte das Bild des Wilhelmsburger Deichs. Ein ländliches Motiv, das früher alltäglich war, heute aber weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden ist, da die Schafbeweidung für die Stadt zu teuer wurde. Aufnahme von 2020, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die natürliche, industrielle und soziale Übergangsräume der Elbinsel dokumentiert.
Holzgerüst in polygonaler Form steht auf einer Lichtung im „Wilden Wald“ in Hamburg-Wilhelmsburg. Leichter Schnee bedeckt den Boden, während das Objekt wie eine improvisierte Installation zwischen Natur, Spielstruktur und Rastplatz wirkt. Aufnahme von 2022, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die die hybriden Übergangsräume und freien Flächen der Elbinsel dokumentiert.
Blick durch eine überwachsene Öffnung auf ein ehemaliges Teilstück des Kleingartenvereins „Zur Scholle“ in Hamburg-Wilhelmsburg. Der unbewirtschaftete Bewuchs wirkt wie eine Übergangsfläche zwischen verwilderter Natur und Wohnbebauung. Nach der Verlegung der Wilhelmsburger Reichsstraße mussten mehrere Kleingartenvereine im Zentrum der Elbinsel Teile ihrer gepachteten Flächen abgeben; im Gegenzug wurden ihre Anlagen grundsaniert und neu geordnet. Aufnahme von 2022, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die die Transformationen und Zwischenzustände der Elbinsel dokumentiert.
Aufgeknackte Sonnenblumenkerne liegen verstreut vor einer Parkbank am Dursun-Akçam-Ufer in Hamburg-Wilhelmsburg. Das warme Licht zeichnet die raue Erdoberfläche und die kleinen weißen Kerne und erzeugt eine stille, alltägliche Spur menschlicher Präsenz. Aufnahme von 2022, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die subtile Beobachtungen von Übergangsräumen und Alltagsfragmenten auf der Elbinsel festhält.
Szene vor Onkel Tokay’s Bazar in der Fährstraße in Hamburg-Wilhelmsburg. Eine Person betrachtet die Auslage aus Schuhen, Haushaltswaren und Alltagsgegenständen an der mintgrünen Außenwand des Ladens. Die farbige, dichte Warenpräsentation steht für den lebendigen, kleinteiligen Straßenhandel des Stadtteils. Aufnahme von 2019, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die urbane Vielfalt, Übergangsräume und Alltagsmomente auf der Elbinsel dokumentiert.
Blau-rotes Holztor im Kleingartenverein an der Honartsdeicher Kehre in Hamburg-Wilhelmsburg. Das bunt gestaltete Einzelportal steht als markantes Detail inmitten dichter, winterlicher Hecken und zeigt den individuellen Charakter der Parzellenkultur auf der Elbinsel. Aufnahme von 2021, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die alltägliche Formen, Übergangsräume und visuelle Eigenheiten Wilhelmsburgs festhält.
Wohngebäude am Dahlgrünring in Kirchdorf-Süd, beleuchtet vom warmen Licht der tiefstehenden Sonne. Im Hintergrund steht eine der 14-geschossigen Hochhaus des abgegrenzten Quartiers, das in den 60er und 70er Jahren im Sinne der Leitidee „Urbanität durch Dichte“ geplant wurde. Die erhoffte soziale Durchmischung stellte sich jedoch kaum ein, und die Großsiedlung entwickelte im Laufe der Zeit eigene, komplexe soziale Dynamiken. Teil der Serie „Zwischen Elben“, die urbane Räume, Übergänge und alltägliche Beobachtungen auf der Elbinsel dokumentiert.
Ölsperre im Veringkanal am Sanitaspark in Hamburg-Wilhelmsburg. Der Kanal war zu dieser Zeit erneut durch ausgelaufenes Öl verunreinigt; entlang des Ufers prägen Industrie und werknahe Betriebe das Umfeld. Die schwimmende Sperre liegt ruhig auf der dunklen Wasseroberfläche und wirkt wie eine abstrakte Form im stillen Kanal. Aufnahme von 2018, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die stille Beobachtungen von Hafenstrukturen, industriellen Einflüssen und Übergangsräumen auf der Elbinsel festhält.
DIY-Skateparks „Fauna Skatepark“ am Ernst-August-Kanal in Hamburg-Wilhelmsburg. Provisorische Rampen, Graffiti und improvisierte Sitzschaukeln prägen den Ort am Rand des Kanals. Der Skatepark wurde später im Zuge der geplanten Elbinselquartiere abgerissen. Aufnahme von 2021, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die informelle Orte, städtische Freiräume und Übergänge auf der Elbinsel dokumentiert.
Brachliegende Fläche am Spreehafen in Hamburg-Wilhelmsburg bei Nacht. Das trockene Gras im Vordergrund wird von künstlichem Licht erfasst, während im Hintergrund die Beleuchtung des Hafen- und Industriegebiets erscheint. Die Szene verbindet städtische Randzonen, ungenutzte Flächen und die Atmosphäre des industriellen Hafenumfelds. Aufnahme von 2020, Teil der Serie „Zwischen Elben“, die Übergangsräume, Brachen und Zwischenzustände auf der Elbinsel dokumentiert.
Von den Milchbauern der frühen Siedlungszeit über die Arbeiter der Industrialisierung bis zur Sturmflut von ‘62 trägt Wilhelmsburg viele historische Schichten. Die Ankunft der Gastarbeiter:innen prägte das Viertel weiter, die ein Viertel, das die Stadt fast aufgegeben hatte, neu belebten. Heute ist Wilhelmsburg ein Ort der unfreiwilligen Außenseiter, die über Jahrzehnte an den Rand gedrängt wurden, und der Freiwilligen, die Freiräume suchen. Beide prägen denselben Raum; ihre Lebensrealitäten kollidieren oder überlagern sich. Diese Spannungen zeigen sich in einem Stadtbild, in dem Aufwertung, Verdrängung, Armut, sozialer Aufstieg und kulturelle Vielfalt gleichzeitig sichtbar werden. Im Fokus der Serie stehen Randzonen, Brachen, Zwischenareale, Baulücken, Fassadenfragmente und andere Übergangsräume. Orte, die von Vergangenem
erzählen, verschwinden oder neu entstehen. Sie zeigen frühe Verschiebungen im Stadtraum und Relikte migrantischer und arbeitender Lebenswelten, die trotz Verdrängung weiterwirken. Zwischen Elben versteht Wilhelmsburg als vielschichtiges Gefüge und nutzt Fotografie, um jene Brüche und Übergänge sichtbar zu machen, an denen sich die Zukunft des Stadtteils formt.






