
O-Young Kwon
Black Lives Matter
Eine Stadt hält inne. Die Wellen der Black-Lives-Matter-Bewegung aus den USA erreichen die Elbe – und treffen auf eine Stadt mit eigener Geschichte. Polizeigewalt, Racial Profiling und institutioneller Rassismus sind keine fernen Konzepte, sondern gelebte Realität vieler Schwarzer Hamburger*innen. Was folgt, sind die größten antirassistischen Proteste seit Jahrzehnten – und die Frage, was davon bleibt.
#blacklifesmatter Demonstration
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Die Stadt steht still, und doch ist sie in Bewegung. Am Jungfernstieg knien Tausende Menschen, schweigend, minutenlang – in Gedenken George Floyds und halten „Black Lives Matter“ Schilder hoch. Ein Satz aus den USA, der in Hamburg plötzlich schwer wiegt. Denn diese Stadt kennt Polizeigewalt nicht nur aus amerikanischen Videos, sondern aus eigener Erfahrung.
Der Tod von Achidi John im Jahr 2001 – ein junger schwarzer Mann, der in willkürlicher Polizeihaft durch Zwangsverabreichung von Brechmitteln getötet wurde. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte Deutschland später wegen unmenschlicher Behandlung, aber in der Stadt selbst wurde dieser Fall nie wirklich aufgearbeitet. Für viele Schwarze Hamburgerinnen ist es ein Beweis dafür, dass Polizeigewalt auch hier tödlich sein kann und ohne Konsequenzen bleibt. 2017 gingen dann die Bilder während des G20-Gipfels um die Welt. Sie zeigten einmal mehr, wie aggressiv die Einsatzstrategien der Hamburger Polizei sind und dessen mangelhafte Aufarbeitung und institutionelle Abwehrhaltung gegenüber Kritik.
Vor diesem Hintergrund war Black Lives Matter in Hamburg mehr als symbolische Solidarität mit den USA. Die Proteste boten erstmals einen breiten öffentlichen Raum, um über Racial Profiling, über unverhältnismäßige Kontrollen, über Gewalt und Machtmissbrauch der Polizei zu sprechen – ohne sofort als „polizeifeindlich“ diskreditiert zu werden. Schwarze Aktivistinnen und PoC formulierten klar, dass ihre Erfahrungen mit der Polizei nicht auf Einzelfälle reduzierbar seien, sondern strukturelle Muster zeigten. Die Demonstrationen waren die größten antirassistischen Proteste, die die Stadt seit Jahrzehnten erlebt hat. Zehntausende gingen geeint auf die Straße – trotz Pandemie, trotz Versammlungsauflagen.
Für einen Moment hörte die Stadt zu.
Medien griffen das Thema auf, Politiker*innen äußerten Verständnis, Polizeiführung und Innenbehörde versprachen Dialog. Der Begriff „institutioneller Rassismus“, lange als zu radikal abgetan, tauchte plötzlich in bürgerlichen Debatten auf. Hamburg diskutierte – vorsichtig, kontrolliert – über unabhängige Beschwerdestellen, über Studien zu Racial Profiling, über Transparenz bei Polizeieinsätzen.
Doch wie so oft blieb es bei der Debatte und strukturell änderte sich wenig. Es gibt bis heute keine wirklich unabhängige Kontrollinstanz für Polizeigewalt in Hamburg. Beschwerden verlaufen häufig im Sande, Verfahren werden eingestellt, interne Ermittlungen ersetzen externe Kontrolle. Für Betroffene bedeutet das: Der Aufwand, Polizeigewalt anzuzeigen, ist hoch und die Aussicht auf Konsequenzen nur gering. Diese Asymmetrie war vor Black Lives Matter Realität und ist es danach geblieben.
Und doch wäre es zu einfach, Black Lives Matter als folgenlos abzutun. Die Bewegung hat in Hamburg eine Verschiebung bewirkt – nicht in den Institutionen, aber im öffentlichen Bewusstsein. Polizeigewalt wird heute offener thematisiert. Rassismus wird weniger reflexhaft individualisiert. Wer betroffen ist, muss sich seltener rechtfertigen.






